Newsletter des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg

Oktober 2015






Arbeitsfeld Integration

In der Tagespolitik wie auch in der Berichterstattung und damit in der
öffentlichen Wahrnehmung stehen die Herausforderungen rund um
die Erstaufnahme der Flüchtlinge sowie deren sichere Unterbringung
angesichts des bevorstehenden Winters im Mittelpunkt. Bei den Verant-
wortlichen in den Stadt- und Landkreisen hat die Lösung dieser Proble-
me Priorität. Das ist verständlich.

Die Aufgabe der Volkshochschulen hingegen ist es, über die tages-
aktuellen Fragestellungen hinaus mit ihren Angeboten den Blick auf
die gesamtgesellschaftlichen Entwicklungen zu richten. Und dies ganz
im Sinne eines ganzheitlichen Bildungsverständnisses, das sich an
den Bedürfnissen des Einzelnen und am gesellschaftlichen Bedarf
orientiert.

Diesem Anspruch nachzukommen, ist angesichts der großen Zahl an
bildungsbedürftigen Menschen, die in unser Land kommen, leichter
gesagt als getan. Es muss auch hier eine Priorisierung der Notwen-
digkeiten vorgenommen werden:

1.  Elementare Voraussetzung für Integration ist eine ausreichende
Sprachkompetenz. Dieser Grundsatz gilt nicht nur für jene Gruppe
der Asylsuchenden, die in einer elitär anmutenden Auswahl Zugang
zu den Sprachkursangeboten im Rahmen des Förderprogramms
„Chancen gestalten“ haben werden. Er gilt für alle Flüchtlinge, auch
für die funktionalen und primären Analphabetinnen und Analphabeten,
für die im Moment keine Fördermöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Hierzu bedarf es finanzieller Mittel für eine möglichst unbürokratische
Kursförderung sowie für die Qualifizierung der Kursleitenden.
Darüber hinaus müssen in den Kommunen alle vorhandenen geei-
gneten Unterrichtsräume uneingeschränkt genutzt werden können.
In den Volkshochschulen wird in den Bereichen Beratung und Ver-
waltung verschiedentlich zusätzliches Personal benötigt.
2. Mit dem Ziel, sozialen Unfrieden zu verhindern, ist es notwendig,
frühzeitig - sobald es die erworbenen Sprachkenntnisse zulassen -
Kurse zur politischen Grundbildung anzubieten, und zwar flächen-
deckend. Diese sollten an jegliche Sprachkurse angeschlossen
sein, so dass die Menschen erreicht werden, ohne dass sie aufge-
sucht werden müssen. Die Orientierungskurse im Rahmen der Inte-
grationskurse können durchaus als Vorbild herangezogen werden.
Das Curriculum sollte aber sehr viel deutlicher auf das interkulturelle
Verständnis und die rechtsstaatlich-demokratischen Grundprinzipien
zugeschnitten sein.
3. Voraussetzung für die Integration in den Arbeitsmarkt ebenso wie für
eine Ausbildung ist eine grundständige Bildung. Es ist unabdingbar,
dass alle Maßnahmen, die für den erfolgreichen Hauptschulab-
schluss
notwendig sind, durch die öffentliche Hand finanziert werden,
was nicht nur Migrantinnen und Migranten zu Gute kommen würde,
sondern ebenfalls vielen Deutschen, die Grundbildungsbedarf haben.
Die österreichische Initiative Erwachsenenbildung geht hier mit gutem
Beispiel voran.

Die beginnende Völkerwanderung wird unsere Gesellschaft und damit
auch die Volkshochschulen über viele Jahre hinaus beschäftigen. Des-
halb brauchen wir keine kurzatmigen, sondern langfristig tragende Lö-
sungen. Es geht eben nicht nur um die Vermittlung der deutschen Spra-
che, so elementar sie ist. Es geht um politische, soziale und kulturelle
Integration. Auch unter den gegenwärtigen sehr fordernden Bedingungen
dürfen wir die Fehler der 1960er Jahre nicht wiederholen. Es werden sehr
viele der Flüchtlinge, die derzeit zu uns kommen, auch bei uns bleiben.


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Der Weiterbildungspakt wird

Aus der Enquête-Kommission „Wissensgesellschaft“ des Landtags,
dem Wendepunkt in der Weiterbildungspolitik des Landes Baden-
Württemberg, entstand 2011/12 das „Bündnis für Lebenslanges Lernen“.
Mit diesem Bündnis haben sich die Organisationen und Träger der
Weiterbildung und die Landesregierung ein gemeinsames Fundament
geschaffen, um das Lebensbegleitende Lernen und die Weiterbildung
im Land zu stärken.

Der derzeit im Verhandlungsstadium befindliche Weiterbildungspakt
dient der Konkretisierung der Ziele des Bündnisses. Er soll den Bil-
dungsträgern und Verbänden wie auch dem Land als abgestimmtes
mittelfristiges Arbeitsprogramm dienen.

Der Volkshochschulverband ist zum einen darum bemüht, die Allgemeine
Weiterbildung im Rahmen des Weiterbildungspaktes angemessen zur
Geltung zu bringen. Zum anderen legt er aber auch Wert darauf, dass sich
das Land vertraglich verpflichtet, die Weiterbildungsförderung vollends auf
den Bundesdurchschnitt anzuheben und bei dieser Durchschnittlichkeit
nicht stehen zu bleiben. Das Ziel der Drittelfinanzierung der Allgemeinen
Weiterbildung durch die Träger, die Teilnehmenden und das Land bleibt
aktuell.


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Interview mit Dr. Wilhelm Filla

Hier in Auszügen mit Link zum Download des gesamten Interviews

Univ.-Doz. Dr. Wilhelm Filla war von 1984 bis 2012 Generalsekretär des
Verbandes Österreichischer Volkshochschulen, davor von 1974 bis 1979
Direktor der Volkshochschule Hietzing und dazwischen in der außerschu-
lischen Jugendarbeit der Stadt Wien tätig. Von 1992 bis 2004 war er Vor-
sitzender der Österreichischen Gesellschaft für Politische Bildung. Seit
2000 ist er Lehrbeauftragter an den Universitäten Graz und Klagenfurt und
derzeit Graz.


1.  Wie schätzen Sie die VHS-Arbeit in Baden-Württemberg und
Deutschland ein? Gibt es Aspekte, die Ihnen zu kurz kommen?

Die knapp tausend Volkshochschulen in Deutschland und mit ihnen
die in Baden-Württemberg zählen nicht nur zu den führenden Ein-
richtungen der deutschen, sondern der internationalen Erwachsen-
enbildung. Ihre international besonders starke Stellung manifestiert
sich augenscheinlich beim alle fünf Jahre stattfindenden Deutschen
Volkshochschultag. Trotz ihrer im internationalen Maßstab sehr aus-
gebauten Programmstruktur, der eine hohe Teilnahmequote ent-
spricht, sowie einer inhaltlich beeindruckenden programmatischen
Grundlage (vgl. Die Volkshochschule - Bildung in öffentlicher Verant-
wortung, Bonn 2011), lassen sich Bereiche erkennen, die in Pro-
grammen der Volkshochschulen zu kurz kommen oder nahezu
überhaupt nicht aufscheinen. Dabei handelt es sich nicht „nur“ um
die in diesem Zusammenhang immer wieder zitierte politische
Bildung, die trotz verschiedenster Anstrengungen de facto margina-
lisiert ist, sondern vor allem um Defizite in der naturwissenschaft-
lichen Bildungstätigkeit. Und das bei der hohen gesellschaftlichen
Bedeutung der Naturwissenschaften. (…)
>> mehr
2. Wie beurteilen Sie den Entwicklungsplan „VHS 2022“?
Der „Entwicklungsplan 2022“ spricht zentrale Fragestellungen an
und konzentriert sich dabei richtigerweise auf wenige Punkte, die
leichter als eine breite Palette relevanter Problemstellung zu reali-
sieren sind. So gesehen ist die strategische Konzentration auf
„Qualitätsmanagement“, „Regionale Verbundstrukturen“ und „Pro-
fessionelle Leitung“ richtig. Es fällt aber auf, dass die Ausrichtung
der Volkshochschule als zentrale öffentliche Weiterbildungsein-
richtung in der jeweiligen Kommune, nicht besonders betont wird.
Dies erscheint insofern relevant, da es immer wieder politisch
motivierte Stimmen gibt, die die Volkshochschule, insbesondere
wenn sie privatrechtlich als Verein organisiert ist, in der Gemeinde
als eine Bildungseinrichtung wie viele andere auch sehen. (…)
>> mehr
3. Was sind Ihrer Ansicht nach die Aufgaben der Volkshochschule
in der „Sozialen Demokratie“?

Die Beantwortung der Fragen 1 und 2 berührt bereits die Frage 3,
die nur beispielhaft beantwortet werden kann. Voraussetzung für
eine Volkshochschule in der „Sozialen Demokratie“ ist ihre gesi-
cherte Finanzierungsbasis, wobei hier die aus Sicht der Institution
durchaus heikle Frage der Honorarkräfte einzubeziehen ist.
Die Aufgabe der Volkshochschule im Rahmen einer Entwicklung
zur „sozialen Demokratie“ ist generell durch die Positionierung der
Volkshochschule zu einer Stätte der öffentlichen Demokratie- und
Demokratisierungsdiskussion zu realisieren, wobei hier die unter-
schiedlichen Ebenen – vom Stadtteil über die Kommune bis zur
europäischen Ebene – in den Blick zu nehmen sind. (…)


>> Das gesamte Interview

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Berufsbezogene Deutschkurse in Kooperation mit dem IQ-Netzwerk

Das bundesweiter Förderprogramm „Integration durch Qualifizierung“
hat den Auftrag Migrantinnen und Migranten bei der Anerkennung ihrer
ausländischem Berufsabschlüsse zu unterstützen. Das Angebot reicht
dabei von Beratungsangeboten bis hin zu konkreten beruflichen Qualifi-
zierungsmaßnahmen. Der Volkshochschulverband Baden-Württemberg
kooperiert mit dem IQ-Netzwerk in zwei Handlungsfeldern:

1. Voraussetzung für die Anerkennung der ausländischen Berufs-
abschlüsse sind ausreichende Deutschkenntnisse, die über ein
offiziell anerkanntes Sprachenzertifikat nachgewiesen werden
müssen. Das Niveau der erforderlichen Sprachkenntnisse variiert
dabei je nach Berufszweig. Fachkräfte im Bereich der Pflege müs-
sen über Deutschkenntnisse auf dem Niveau B2 des Gemeinsa-
men Europäischen Referenzrahmen verfügen. An mehreren
Standorten in Baden-Württemberg werden für diese Zielgruppe
geförderte Sprachkurse im Umfang von 300 Unterrichtsstunden
angeboten. Die Kurse richten sich an Personen, die ihre auslän-
dische Ausbildung anerkennen lassen wollen, bereits eine Aner-
kennung mit Auflagen erhalten haben, über ein Sprachniveau B1
verfügen und noch das notwendige B2-Zertifikat erwerben müssen.
Bei Vorlage eines Anerkennungsbescheides ist der Kurs kostenlos.
Außerdem werden die Teilnehmenden durch eine/n Tutor/in indivi-
duell unterstützt. Auf einer kursbegleitenden Online-Plattform erhal-
ten sie weitere Lernangebote zur Prüfungsvorbereitung und zur
Fachsprache in Pflege und Gesundheit.
2.  Für Deutsch-Lehrkräfte bietet der Volkshochschulverband in Ko-
operation mit der IQ-Fachstelle Berufsbezogenes Deutsch Ham-
burg Lehrgänge zur Qualifizierung im berufssprachlichen
Deutschunterricht an. Die Fortbildung richtet sich an Lehrkräfte,
die in Sprachkursen im Rahmen des IQ-Netzwerks und darüber
hinaus eingesetzt werden. Ziel ist, die Unterrichtsqualität in
Deutschkursen zu verbessern, berufliche und branchenspezi-
fische Elemente im Sprachunterricht zu unterstützen und didakti-
sche Ansätze für individualisiertes Lernen zu vermitteln. Die kosten-
lose Weiterbildung umfasst 60 Unterrichtseinheiten in fünf Modulen.
Aktuell findet der erste Lehrgang in Heidelberg statt. Weitere Lehr-
gänge werden während der Projektlaufzeit an unterschiedlichen
Standorten in Baden-Württemberg angeboten.


>> Weitere Informationen


                                                                                                                             
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Neue Aufstiegschancen mit Volkshochschule und Hochschule:
VHS-Zertifikate als Studienleistung anrechenbar

Fünf der betriebswirtschaftlichen XpertBusiness-Abschlüsse sind bei
der FOM Open Business School (OBS) anrechenbar, beispielsweise
„Geprüfte Fachkraft Externes Rechnungswesen (XB)“ und „Finanzbuch-
halter/in (XB)“. Sie werden als Studienleistung anerkannt für die Bache-
lor-Studiengänge „Wirtschaft und Management“ sowie „Wirtschaft und
Kommunikation“.

>> Interview zum Thema in der Stuttgarter Zeitung


>> Weitere Informationen zur Kooperation



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Der Jungen- und Männergesundheitsbericht BW und der Beitrag der Volkshochschulen

Der im August 2015 veröffentlichte und vom Sozialministerium in Auftrag
gegebene Jungen- und Männergesundheitsbericht für Baden-Württem-
berg enthält grundlegende Daten zur gesundheitlichen Lage und zur
Gesundheitsförderung und Prävention von Jungen- und Männern in
Baden-Württemberg. Volkshochschulen werden darin als wichtiger Part-
ner in der Prävention und Gesundheitsförderung beschrieben. So
befassen sich Volkshochschulen regelmäßig, im Rahmen von gesund-
heitlicher Chancengleichheit, mit der besseren Erreichbarkeit von Män-
nern. Dies führte bereits zu einer Steigerung der männlichen Teilnehmer-
zahlen um 12,4 % im Zeitraum 2003 - 2013.
Aktuell werden zudem im Rahmen einer Bachelorarbeit die Einfluss-
faktoren, die eine Teilnahme bzw. die Häufigkeit der Teilnahme an
Gesundheitskursen der Volkshochschulen bei Männern begünstigen,
untersucht. Die Ergebnisse der Studie stehen voraussichtlich Anfang
2016 zur Verfügung.

>> Der Jungen- und Männergesundheitsbericht des Sozialministeriums
Baden-Württemberg zum herunterladen



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„vhs von A bis Z“
Aktualisierte Auflage erschienen

Von der Alphabetisierung bis zum Zweiten Bildungsweg, von der Allge-
meinbildung bis zu zielgruppenspezifischen Angeboten - die Arbeitsfel-
der von Volkshochschulen sind vielfältig und nicht immer selbsterklärend.
Die Broschüre „vhs von A bis Z“ gibt eine Einführung in zentrale Aufgaben,
Leistungen und Prozesse an Volkshochschulen. Als Orientierungshilfe
richtet sich die Broschüre in erster Linie an neue VHS-Kursleiter/innen
und -Mitarbeiter/innen. Die aktualisierte Neuauflage enthält einige neue
Stichworte wie z. B. „Bildungszeitgesetz“, „Diversity“, „Grundbildung“ und
„vhespresso“ und dokumentiert damit auch, wie sich Arbeitsfelder und
-weisen der Volkshochschulen und der Kursleitenden verändern. Auch
optisch präsentiert sich diese Auflage in neuer Form - im Gewand des
bundesweiten VHS-Markenauftritts.

>> „vhs von A bis Z“ zum herunterladen

>> Bestellung der Broschüre zum Preis von 1,50 € beim VHS-Verband
(furch@vhs-bw.de).


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Termine


Bundesfachkonferenz Sprachen
am 12./13. November 2015 in Heidelberg
>> Link zum Programm


Bundesfachkonferenz Gesundheit
am 27./28. Januar 2016 in Stuttgart

Die Bundesfachtagung Gesundheit des Deutschen Volkshochschulver-
bandes wird 2016 vom Volkshochschulverband Baden-Württemberg
organisiert und findet am 27. und 28. Januar 2016 in Stuttgart statt. Im
Mittelpunkt steht die Qualität in der Gesundheitsbildung.
>> Link zum Programm




   
   

      
    





    
    




 



     Ansprechpartner/in
     im VHS-Verband:
  

     Martina Haas
     haas@vhs-bw.de

     Dr. Hermann Huba
     huba@vhs-bw.de











     
































     

     






















     
     


     























































     
    








     Ansprechpartnerinnen
     im VHS-Verband:

     Andrea Bernert-Bürkle
     Tel.: 0711 75900-62
     bernert-buerkle@vhs-bw.de

    
Martina Haas
     Tel.: 0711 75900-34
     haas@vhs-bw.de



























     

     








     















     


      



 

  
     




     
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