Newsletter des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg


Juni 2020




Drei Fragen an Dr. Hermann Huba zur Situation der Volkshochschulen in der Corona-Krise

1. Die Volkshochschulen können ihren Präsenzkursbetrieb weitgehend wieder aufnehmen. Was heißt das?

Aufgrund einer Rechtsverordnung des Kultusministeriums konnten die Volkshochschulen ihren Präsenzkursbetrieb Ende Mai 2020 tatsächlich weitgehend wieder aufnehmen. Allerdings nur unter Einhaltung strenger Abstands- und Hygieneregeln. So bleiben alle Kurse mit gesteigertem Infektionsrisiko weiterhin untersagt, insbesondere also Koch- und Backkurse sowie Angebote mit Körperkontakt. Der Mindestabstand von 1,5 Metern muss überall und jederzeit eingehalten werden, auch in den Kursräumen. Das hat zur Folge, dass an den einzelnen Kursen deutlich weniger Personen teilnehmen können.

Für seine verantwortungsvolle Öffnungsentscheidung sind wir dem Kultusministerium sehr dankbar. Das dürfte angesichts unserer bisherigen Einnahmeverluste in Höhe von 1,9 Millionen Euro pro Woche wohl auch verständlich sein. Endlich können die Volkshochschulen wieder in bewährter Weise, nämlich analog, und nicht nur digital für ihre Teilnehmer*innen da sein und sich dadurch zu einem gewissen Teil auch wieder selbst helfen, die Corona-Krise zu überstehen. Anderenfalls wären sie in vollem Umfang auf öffentliche Hilfe angewiesen.

Notwendig sind derzeit insbesondere Angebote zu gesundheitlichen Fragen, auch zu Infektionsrisiken und Infektionsschutz sowie Bewegungsangebote und Angebote zur Stressbewältigung. Viele Schüler*innen bedürfen dringend passgenauer schulergänzender und schulbegleitender Maßnahmen, um Versäumtes nachholen zu können. Sehr viele Menschen haben in den letzten Wochen erkannt, dass sie ihre digitalen Kompetenzen ausbauen müssen, und zwar in analogen Kursen. Auch der Ausbau von Kenntnissen im Bereich der Mediennutzung hat sich als erforderlich erwiesen, etwa um Tatsachen von Verschwörungstheorien zu unterscheiden. Und nicht zuletzt besteht auch der Wunsch, wieder gemeinsam mit anderen kreativ zu sein oder der Wunsch nach beruflicher Weiterentwicklung oder Neuorientierung.
   
2.  Das Land Baden-Württemberg hat die Integrationskurse an den Volkshochschulen bereits ab 4. Mai 2020 wieder frei gegeben. Was steht der Durchführung der Kurse jetzt immer noch im Weg?

Das derzeit geltende Finanzierungskonzept des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ist auf Gruppen von Teilnehmenden ausgelegt, die aufgrund der Abstands- und Hygieneregelungen des Landes in den Corona-Verordnungen jetzt mindestens halbiert oder gar gedrittelt werden müssen. Das verdoppelt oder verdreifacht die Kosten für die Honorare der Kursleitenden, die Raumkosten und die Organisationskosten der Volkshochschulen. Das BAMF war nun offensichtlich nicht in der Lage, diesen einfachen Sachverhalt vorherzusehen und sein Finanzierungskonzept für die Integrationskurse innerhalb der sieben Wochen von Mitte März bis Anfang Mai entsprechend anzupassen. Deshalb muss es jetzt noch bis Juli nachdenken. Für die Zeit bis dahin hat es den Trägern, denen Integrationskurse durch das Land wieder erlaubt sind, mitgeteilt, es gelte das bisherige Finanzierungskonzept aus der Zeit vor der Corona-Krise und sie müssten die erhöhten Kosten selbst tragen – oder abwarten bis das angepasste Konzept vorliegt.

Seit 4. Mai 2020 sind Integrationskurse in Baden-Württemberg also faktisch nicht durchführbar, weil das für Integration zentral zuständige Bundesamt noch über eine Regelung nachdenken muss, deren Notwendigkeit seit Mitte März absehbar war. In der Zwischenzeit verlieren die Teilnehmenden immer mehr das bereits erreichte Lernniveau. Daran ändern auch die Bemühungen des BAMF um digitale Überbrückungsangebote schon deswegen kaum etwas, weil sie nur die wenigsten Teilnehmenden erreichten und erreichen. Und die Wiederherstellung der Lernstände verursacht darüber hinaus zusätzliche Kosten.

Die Verdoppelung oder Verdreifachung der Kosten, die eine direkte Folge der notwendigen Abstands- und Hygieneregelungen sind, den Trägern, die ohnehin schon erhebliche Einnahmeverluste zu verkraften haben, als zusätzliches Sonderopfer aufzuerlegen, ist ziemlich absurd. Sie sind vielmehr zu behandeln als das, was sie sind: Kosten unserer Gesellschaft, verursacht durch eine pandemische Bedrohung. Deshalb ist die Behäbigkeit der Entscheidungsverfahren im BAMF schwer erträglich und nicht zu rechtfertigen.
   
3. Die Volkshochschulen haben aufgrund ihrer Schließung für den Publikumsverkehr in zehn Wochen Einnahmeverluste von 19 Millionen verbuchen müssen. In welcher wirtschaftlichen Lage befinden sie sich jetzt?

Gelinde gesagt, in einer sehr schwierigen. Kurzarbeit ist für die allermeisten Volkshochschulen keine Lösung, weil sie dann im Sommer und Herbst ohne Programm dastehen, das jetzt geplant werden muss.

Die Corona-Soforthilfe des Landes über das Wirtschaftsministerium birgt für die Volkshochschulen insbesondere zwei Schwierigkeiten. Zum einen steht für die 105 öffentlich-rechtlich organisierten Volkshochschulen schon die Antragsberechtigung in Frage. Zum anderen werden große Volkshochschulen von dem Schutzschirm gar nicht erfasst.

Die Soforthilfe des Landes für Städte und Gemeinden, die das Land ausdrücklich auch dem teilweisen Abfedern der Einnahmeverluste von Volkshochschulen gewidmet hat, kommt bei diesen bisher meist nicht an. Die Kommunen lehnen mehr Anträge ab als sie positiv bescheiden. Und die 63 privatrechtlich organisierten Volkshochschulen haben fast gar keine Chance.

Deshalb fordert der Volkshochschulverband für die baden-württembergischen Volkshochschulen und die Allgemeine Weiterbildung insgesamt eine Soforthilfe, die die durch die Betriebsuntersagungen bedingten Einnahmeverluste der Einrichtungen und die Kosten des Infektionsschutzes – zumindest weitgehend – ausgleicht. Anderenfalls zerreißt das flächendeckende Weiterbildungsnetz im Land, weil Einrichtungen die Corona-Krise nicht überstehen.

Darüber hinaus darf die Allgemeine Weiterbildung aus der Digitalisierungsstrategie des Landes nicht weiter ausgeschlossen bleiben. Von der digitalen Aufrüstung der Gebäude über die Hard- und Software-Ausstattung bis hin zur Content-Erstellung bedarf die Allgemeine Weiterbildung der Unterstützung wie Unternehmen und Schulen auch. Die Kommunen alleine werden das nicht leisten können. Schon gar nicht in und nach der Corona-Krise.

>> Zum Interview


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Zwischenbilanz des Digitalisierungsteams: Fortbildungen, Beratung und Sprechstunden stark nachgefragt

Das Digitalisierungsteam des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg reagierte schnell auf die Corona bedingte Schließung der Volkshochschulen für den Präsenzbetrieb: Bereits am folgenden Tag fand die erste „Corona- und Digitalisierungs-Sprechstunde“ statt, in der das vierköpfige Team Mitarbeitende und Kursleitende von Volkshochschulen zu Fragen rund um die Digitalisierung beriet. In den folgenden Wochen baute das Team sein Fortbildungs-, Beratungs- und Service-Angebot weiter aus:

In verschiedenen kurzfristig organisierten Online-Fortbildungen und Webinaren informierten sich mehr als 650 Teilnehmer*innen über die unterschiedlichen Facetten des digitalen Lehrens. Ein Schwerpunkt dieser Veranstaltungen lag auf den Einsatzmöglichkeiten von Lernplattformen wie der vhs.cloud, aber auch die methodisch-didaktische Gestaltung und Durchführung digitaler Kursformate wurden thematisiert. Diese Bandbreite spiegelt sich auch in den zahlreichen Beratungen via Telefon, E-Mail oder Webkonferenz wider, die von grundlegenden Fragen zu den Funktionen der vhs.cloud über die technischen Voraussetzungen für Webinare bis hin zur Überführung analoger in digitale Kursformate reichten. Die wichtigsten Informationen finden vhs-Mitarbeitende und -Kursleitende in den FAQ Digitalisierung.

Als weiteren Service bietet das D-Team eine virtuelle Sprechstunde an, in der das Webkonferenz-Tool der vhs.cloud ausgiebig getestet werden kann, sowie das regelmäßig stattfindende Online-Briefing der vhs.cloud-Gruppe „Erweiterte Lernwelten BW“, bei dem sich Mitarbeitende der Volkshochschulen zu allen Aspekten des Themas Digitalisierung informieren und austauschen können.

Auch nach der weitgehenden Wiederöffnung der Volkshochschulen für den Präsenzbetrieb führt das Digitalisierungsteam diese Fortbildungs- und Beratungsangebote fort, um Volkshochschulen dabei zu unterstützen, das bisher digital Erreichte zu sichern und auszubauen. Die ersten Fortbildungen starten im Juni und Juli – jetzt auch wieder im Präsenzformat.

>> Mehr zum Thema:
- Digitalisierungsoffensive März 2020
- Aktuelle Informationen unter www.vhs-bw.de/elw



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Grund-Bildung für alle

Sowohl die beiden Level-One Studien aus den Jahren 2010 und 2018 als auch die PIAAC-Studie aus dem Jahr 2013 führten zwar zu einer veränderten Wahrnehmung des Problems fehlender grundlegender Kompetenzen im Lesen, Schreiben und Rechnen durch die Öffentlichkeit, jedoch hatten sie kaum eine Verbesserung der finanziellen Bedingungen bezogen auf die Arbeit im Grundbildungs- und Alphabetisierungsbereich zur Folge.

Der Volkshochschulverband setzt sich für die Stärkung aller Bereiche ein, die der erweiterte Grundbildungsbegriff, der weit über Lesen, Schreiben und Rechnen hinausgeht, umfasst. Denn gerade jetzt ist es wichtiger denn je, Menschen zu selbstständigem Handeln, gesellschaftlicher Teilhabe, ja: zum lebenslangen Lernen zu befähigen. Hierzu wurde eine Projektgruppe bestehend aus sieben Expert*innen im Bereich der Grundbildung und der aufsuchenden Bildungsarbeit gegründet, die das Konzeptpapier „Grund-Bildung für alle“ verfasst hat. Beginnend mit der Analyse der derzeitigen Situation und ihrer Schwachstellen, weist das Konzept nicht nur den Weg zur erfolgreichen Etablierung der Grundbildung an Volkshochschulen und damit zur Erlangung einer Vorreiterrolle: Es bekräftigt auch motivierend den zentralen Auftrag der Volkshochschulen, Bildung für alle zu ermöglichen.

>> Zum Konzeptpapier „Grund-Bildung für alle“


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Landesweites Pilotprojekt zur Digitalisierung des Gesundheitswesens ist gestartet


Zusammen mit mehreren Projektpartner*innen hat der Volkshochschulverband das Pilotprojekt gesundaltern@bw gestartet. Im Rahmen des Projekts sollen Bürger*innen befähigt werden, sich aktiv mit digitalen Anwendungen und Dienstleistungen in den Bereichen Gesundheit, Medizin und Pflege auseinanderzusetzen und diese kompetent und eigenverantwortlich zu nutzen. Auf diese Weise sollen die Bürger*innen in die Digitalisierung des Gesundheitswesens mitgenommen und die Gesundheitsversorgung damit nachhaltig verbessert werden. Die Bürger*innen werden als mündige Patient*innen, Betroffene und Angehörige befähigt, ihr eigenes Leben sowie das Leben ihrer älteren Mitbürger*innen mit zu verbessern und weiter mit zu gestalten.

Beteiligt im Projekt ist landesweit ein breit aufgestelltes Netzwerk an Kooperationspartner*innen, u. a. die Landesanstalt für Kommunikation (Koordination), der Volkshochschulverband (Bildung und Information), das Landesmedienzentrum (Multiplikator*innenausbildung) und das Zentrum für Allgemeine Wissenschaftliche Weiterbildung der Universität Ulm (Begleitung).

Mit lokalen Partner*innen und überregionalen Kooperationspartner*innen werden im Jahr 2020 vom Volkshochschulverband digitale Bildungsveranstaltungen (z. B. Webkonferenzen) durchgeführt. Ende Mai fand bereits die erste Webkonferenz zum Thema Telemedizin mit über 90 Teilnehmenden statt. 2021 stehen analog und wohnortnah Präsenzkurse, Schaufenster, Gesundheitstage und Fachtage auf dem Programm.

Das Projekt gesundaltern@bw wird im Rahmen der Digitalisierungsstrategie der Landesregierung durch das Ministerium für Soziales und Integration Baden-Württemberg gefördert.


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Ausbau des Angebots alternativer digitaler Beratungsformate für die beratenden Mitgliedseinrichtungen des LN WBB: Chat-Beratung für die Ratsuchenden über den DWC


Seit Januar 2020 beteiligt sich das Landesnetzwerk Weiterbildungsberatung BW (LN WBB) an der Weiterbildungsberatung per Chat.

Auf dem vom Kultusministerium angebotenen offiziellen Portal für berufliche Weiterbildung des Landes Baden-Württemberg, www.fortbildung-bw.de, haben Ratsuchende die Möglichkeit, sich per Chat kostenlos und trägerneutral beraten zu lassen. Bei dieser Chat-Beratung, welche über den Digitalen Weiterbildungscampus (DWC) läuft, wirken nun seit etwa einem halben Jahr rund 20 Beratende aus Mitgliedseinrichtungen des LN WBB mit und übernehmen einen festen Beratungszeitraum pro Woche, donnerstags von 16 bis 20 Uhr.

Aufgrund der aktuellen Situation und der Anfrage nach einer Ausweitung der Beratungszeiträume seitens der beratenden Mitgliedseinrichtungen hat sich das LN WBB für eine erweiterte Nut-zung der Chat-Beratung entschieden. Die teilnehmenden Beratenden erhalten zu Beginn eine Einführungsschulung in die Chat-Beratung über den DWC. Somit können Mitgliedseinrichtungen des LN WBB auch außerhalb des genannten Zeitraums den Ratsuchenden Beratungen per Chat anbieten.

Die rund 35 teilnehmenden Beratenden der Bildungs- und Beratungseinrichtungen aus unterschiedlichsten Bereichen beraten im Rahmen der erweiterten Chat-Beratung des LN WBB zu vielschichtigen Themen der allgemeinen und beruflichen Weiterbildung.

So sorgt das LN WBB für die Erfüllung der krisenbedingt erhöhten Nachfrage nach Beratungsleistungen. Die Erreichbarkeit der Beratenden bleibt durch die Erweiterung der digitalen Beratungsformate für interessierte Ratsuchende gewährleistet.

>> Link zur Chat-Beratung

Das Landesnetzwerk Weiterbildungsberatung BW, dessen Träger der Volkshochschulverband Baden-Württemberg ist und das vom Ministerium für Kultus, Jugend und Sport gefördert wird, umfasst aktuell 169 Mitgliedseinrichtungen, deren qualifizierte Beratende zu allen Fragen der persönlichen und beruflichen Weiterbildung beraten und unterstützen. Die Beratungsbereiche umfassen u. a. berufliche (Neu-)Orientierung, Kompetenzermittlung, zweiter Bildungsweg / Schulabschluss nachholen, Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten von Weiterbildungsmaßnahmen, Nacherwerbsphase, sowie Integration, Sprachen, Gesundheit, Soziales und Qualifizierung für ein Ehrenamt. Auf der Homepage des Landesnetzwerks www.bildung-bringt-weiter.de finden Sie nähere Informationen sowie die Beratungsstellen in den Regionen Baden-Württembergs unter www.lnwbb.de/in-ihrer-region.


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Termine


●  Absage der diesjährigen öffentlichen Jahrestagung am 2./3. Juli in Friedrichshafen aus Gründen des Infektionsschutzes.
   
21./22. Juni 2021: XV. Deutscher Volkshochschultag in Leipzig. Save the date!




 




             

 

 

   


   


   
  











  























































































   


   










   

   










   


   
   






























   
 
   

























   
   
   

 









 

























   
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