Sondernewsletter des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg





Drei Fragen an Kultusministerin Dr. Susanne Eisenmann


1. Die Corona-Verordnung der Landesregierung untersagt den Betrieb von Volkshochschulen und anderen Bildungs- und Kultureinrichtungen in dem Sinne, dass für Teilnehmende keine Möglichkeit mehr bestehen darf, die analogen Angebote dieser Einrichtungen wahrzunehmen. Was erwarten Sie darüber hinaus von den Volkshochschulen in dieser Ausnahmesituation?

Zunächst möchte ich mich ganz herzlich bei den Volkshochschulen und auch den vielen weiteren Weiterbildungsträgern dafür bedanken, mit welchem Verständnis sie dieser Anordnung der Landesregierung zur Bewältigung der Krise gefolgt sind. Es ist ohne Zweifel ein sehr harter Einschnitt, den wir nur aufgrund der äußerst schwerwiegenden Gefährdung für die Gesundheit aller unternommen haben. Wir hoffen, dass wir diese Schließung so kurz wie möglich halten können. Aber zur Wahrheit gehört: wir wissen es im Moment leider alle nicht, wie sich die Lage weiter entwickeln wird.

In dieser Ausnahmesituation hat die digitale Weiterbildung einen neuen Stellenwert erhalten. Das heißt eben auch, in diesem Feld grundsätzlich weitere Schritte zu überlegen, Konzeptionen aufzustellen und Best Practice-Beispiele für einen breiteren Einsatz zu prüfen. Das Kultusministerium bietet dabei mit seinem Digitalen Weiterbildungscampus die technischen Möglichkeiten für alle Einrichtungen, um neue Kurse aufzusetzen und anzubieten. Die derzeitige hohe Nachfrage zeigt, dass tatsächlich auch viele dazu übergehen.
   
2. Die Volkshochschulen erleiden durch die Betriebsuntersagung im Interesse des gesundheitlichen Gemeinwohls wöchentlich je nach Größe einen Einnahmeverlust zwischen 10.000 und mehr als 200.000 Euro. Was können die Volkshochschulen und ihre Kursleitenden angesichts dieser wirtschaftlichen Nachteile vom Land finanziell erwarten? Insbesondere: Schützt der Rettungsschirm des Landes auch die Volkshochschulen mit direkten Zuschüssen?

Es ist die klare Position der Landesregierung, dass die Unternehmen im Land in dieser Krise so gut wie möglich unterstützt werden müssen, kleinere Unternehmen ebenso wie größere. Das Wirtschaftsministerium hat deshalb unter Hochdruck ein Soforthilfeprogramm aufgelegt, das gewerblichen Unternehmen, Sozialunternehmen und Angehörigen der Freien Berufe, die sich unmittelbar infolge der Corona-Pandemie in einer existenzbedrohenden wirtschaftlichen Lage befinden und massive Liquiditätsengpässe erleiden, mit einem einmaligen, nicht rückzahlbaren Zuschuss unterstützt. Darüber hinaus stellt das Land 100 Millionen Euro Soforthilfe für Städte und Gemeinden zur Verfügung. Diese Mittel sollen ausdrücklich auch den Volkshochschulen zu Gute kommen, um die dort wegfallenden Einnahmen möglichst auszugleichen. Die Landesregierung muss nun rasch alle Details des Programms mit den Kommunen verhandeln. Ich werde mich für ein zügiges Vorgehen einsetzen, damit die Volkshochschulen schnell Klarheit haben, wie und in welchem Umfang sie von der Hilfe aus diesem Programm profitieren können.
   
3.  Der Volkshochschulverband sieht in der Digitalisierung eine zentrale Chance der Corona-Krise. Die Menschen müssen zu Hause bleiben und die Weiterbildung kommt digital zu ihnen: lieber digital als infiziert. Aber dieser Weg erfordert zum schnellen Ausbau der digitalen Infrastruktur der Volkshochschulen rasche und unbürokratische Unterstützung durch das Land. Ist mit dieser Unterstützung zeitnah zu rechnen?

Ich stimme dem Volkshochschulverband hier ausdrücklich zu: Wenn die Krise ihr Gutes hat, dann in dieser Hinsicht. Das digitale Lernen wird einen starken Push bekommen. Wir sehen das gerade auch bei unserem Digitalen Weiterbildungscampus, dessen Angebote jetzt stark gefragt sind. Die digitale Ausstattung der Volkshochschulen liegt zunächst in der Kompetenz der Kommunen und Träger, die deshalb zuerst gefordert sind. Ich könnte mir aber vorstellen, dass die Landesregierung bei einer Neuauflage der digitalen Landesstrategie auch prüfen wird, inwieweit die Volkshochschulen einbezogen werden können. Das ist im Moment aber noch Zukunftsmusik.


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Drei Fragen an Landesgesundheitsminister Manne Lucha


1. 
Sie sind um Ihre Aufgabe und Ihre Verantwortung derzeit wirklich nicht zu beneiden. Deshalb die Frage: Was wünschen Sie sich von den 168 baden-württembergischen Volkshochschulen an Unterstützung? Wie kann die Weiterbildung Ihnen Ihre Aufgabe zurzeit erleichtern?

Die Volkshochschulen in Baden-Württemberg leisten eine engagierte Arbeit und setzen sich für unser Gemeinwesen ein – für bessere Bildungsangebote, für ein ganzheitliches Verständnis von Bildung und für die Förderung individueller Bildungsbiographien. Ich freue mich deshalb, dass der vhs-Verband auf seine Digitalisierungssprechstunde aufmerksam macht, um mit Live-Streams, Online-Kursen und Webinaren trotz der Corona-Krise passende Lösungen zu finden. Auch für viele Menschen, die derzeit zu Hause sind, kann Weiterbildung eine Möglichkeit sein, um dem Lagerkoller zu entfliehen.
   
2. Aktuell leben wir alle von der Hoffnung auf den 20. April oder wenigstens auf den 15. Juni 2020. Aber was dann? Wie lange kann man soziale Distanzierung praktizieren? Wann wird es kontraproduktiv, das öffentliche Leben herunterzufahren?

Wir alle müssen für eine gewisse Zeit auf die Dinge verzichten, die wir gerne tun. Zur Wahrheit gehört: Wir wissen nicht genau, wie lange die Krise dauern wird, aber auch sie wird vorübergehen. Es kommt jetzt auf uns als Gesellschaft an, die schwächsten Mitglieder, die älteren und kranken Menschen, außereichend zu schützen. Sobald wir Anzeichen dafür haben, dass sich die Lage verbessert, werden wir das öffentliche Leben wieder hochfahren.
   
3. Welche Chancen bietet die Corona-Krise neben einem erheblichen Digitalisierungsschub noch? Schwächt oder stärkt sie den gesellschaftlichen Zusammenhalt nach Ihrer Einschätzung?

Ich bin mir sicher, dass wir als Gesellschaft gestärkt aus dieser Krise hervorgehen werden. Herzlich bedanken möchte ich mich schon heute bei allen Menschen, die in dieser Zeit kreative Lösungen entwickeln, um anderen Mitbürgerinnen und Mitbürgern unter die Arme zu greifen – seien es Nachbarschaftsinitiativen oder einzelne Unterstützungsangebote. Baden-Württemberg steht auch in der Krise fest zusammen.


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Drei Fragen an den Direktor des Volkshochschulverbandes Dr. Hermann Huba


1. 
Die Corona-Verordnung der Landesregierung untersagt den Betrieb von Volkshochschulen ausnahmslos. Die Einrichtungen sind für jeden Publikumsverkehr bis zum 19. April 2020 geschlossen. Was bedeutet das wirtschaftlich für die Volkshochschulen und ihre Arbeit und welche Folgen hat es, wenn der Betrieb auch nach dem 20. April untersagt bleibt?

Aufgrund der Untersagung ihres Betriebs verbucht derzeit jede der 168 Volkshochschulen in Baden-Württemberg unabhängig von ihrer Rechtsform, aber abhängig von ihrer jeweiligen Größe einen Einnahmeverlust zwischen 10.000 und mehr als 200.000 Euro pro Woche. Insgesamt belaufen sich die Einnahmeverluste auf 1,9 Millionen Euro pro Woche. Die fünfwöchige Schließung vom 16. März bis zum 19. April kostet die Volkshochschulen also 9,5 Millionen Euro. Müssen die Einrichtungen in dieser Zeit auch die Honorare für die Kursleiter*innen übernehmen, ergibt sich sogar eine Summe von 4,1 Millionen Euro pro Woche bzw. von 20,5 Millionen Euro bis zum 19. April.

Demgegenüber bleiben die Kosten insbesondere für Personal, Unterhalt der Gebäude, Raummieten und Materialien bestenfalls konstant. Da die gemeinnützigen Volkshochschulen über größere finanzielle Reserven gar nicht verfügen dürfen, stellt sie deshalb schon die Schließung bis zum 19. April 2020 vor sehr ernste finanzielle Probleme. Sollte die Betriebsuntersagung darüber hinaus verlängert werden müssen, geraten die Einrichtungen in existentielle Gefahr.

Sollen die Volkshochschulen und damit die Weiterbildung im Land durch die Corona-Verluste nicht irreparabel geschädigt werden, sind sie auf die Unterstützung des Landes angewiesen. Dabei muss man wissen, dass der beim Wirtschaftsministerium angesiedelte aktuelle Rettungsschirm des Landes weder für die Volkshochschulen noch für ihre Kursleiter*innen passt. Er hilft den Volkshochschulen nicht, weil er auf Wirtschaftsunternehmen zugeschnitten ist und er hilft den vhs-Kursleitenden nicht, weil er auf Solo-Selbständige mit Geschäftskosten, etwa für die Anmietung von Räumen zugeschnitten ist. Sind die Volkshochschulen weiterhin gezwungen, ihre hohen Verluste dadurch zu verringern, dass sie ihren Dozent*innen für die ausgefallenen Unterrichtsstunden keine Honorare zahlen, landen also ihre wichtigsten freien Mitarbeiter*innen praktisch in Hartz IV.

Kurzarbeitergeld ist für freie Mitarbeiter*innen überhaupt nicht vorgesehen, hilft aber den Volkshochschulen in den meisten Fällen auch nicht für ihre hauptamtlichen Beschäftigten. Für die Zeit nach der Untersagung unseres Betriebs erwartet die Bevölkerung wieder ein umfassendes, aktuelles Weiterbildungsprogramm. Das muss jetzt geplant werden. Außerdem arbeiten die Volkshochschulen mit Hochdruck daran, ihre Präsenzangebote für eine Bevölkerung, die zu Hause bleiben muss, in digitale Angebote zu transformieren.

Kurzum: Die vom Land getroffenen Maßnahmen sind im Interesse des gesundheitlichen Gemeinwohls sinnvoll und notwendig, sollen die Volkshochschulen und damit die Weiterbildung im Land aber durch diese Maßnahmen nicht irreparabel geschädigt werden, sind wir auf die Unterstützung des Landes angewiesen.

Deshalb bin ich der Kultusministerin dankbar für ihre Zusage, dass das am 27. März 2020 beschlossene 100-Millionen-Euro-Programm ausdrücklich auch den Volkshochschulen zu Gute kommt, um die ausfallenden Einnahmen möglichst auszugleichen. Und selbstverständlich für ihre Zusage, dass dieses Programm jetzt zügig ausgearbeitet wird, damit die Hilfe sehr rasch zur Verfügung steht.
   
2. Was beschäftigt die Volkshochschulen über ihre wirtschaftliche Situation hinaus?

Natürlich die Sorge darum, ob alle Teilnehmenden nach der Schließung schnell wieder den Weg zurück zu ihnen finden werden. Wir hoffen, dass die ausgefallenen Prüfungen und Schulabschlusskurse sowie die ausgefallenen Termine der Integrationskurse ebenso wie alle anderen Angebote bei der Volkshochschule nachgeholt werden.

Außerdem: Werden die dringend benötigten Kursleitenden alle ihre Arbeit wieder aufnehmen? Werden die vhs-Mitarbeiter*innen ihre Einkommen während der Betriebsuntersagung in vollem Umfang weiter erhalten können? Und selbstverständlich: Wie wird die Corona-Krise unsere Gesellschaft verändern? Wird sie unseren Gemeinsinn, unseren Zusammenhalt und unsere freiheitliche Demokratie eher stärken oder eher spaltend wirken? Dabei kann man nur hoffen, dass Herr Minister Lucha mit seinem Optimismus Recht behält.
   
3. Ihr aktuelles Motto ist „lieber digital als infiziert“. Sie sehen in der Digitalisierung eine zentrale Chance der Corona-Krise. Wie unterstützt der Volkshochschulverband seine Volkshochschulen im Bereich der Digitalisierung?

Zunächst ist es sehr gut, dass die Volkshochschulen und ihr Verband an digitalen Angeboten arbeiten können, dass ihr Betrieb insoweit also nicht untersagt ist. Deshalb können wir die Einrichtungen mit unserem vierköpfigen Digitalisierungsteam unterstützen, das aktuell auch eine hotline eingerichtet hat, um alle aufkommenden Fragen möglichst schnell beantworten zu können.

Ich bin überzeugt, dass die Corona-Krise der Weiterbildung, aber auch der gesamten Gesellschaft einen Digitalisierungsschub bescheren wird, weil sie den praktischen Nutzen digitaler Kommunikation direkt fühlbar macht. Wenn die Menschen nicht zur Volkshochschule kommen dürfen, kommt die Volkshochschule digital zu ihnen. Das digitale vhs-Angebot kann allerdings die Einnahmeverluste aus den abgesagten Präsenzveranstaltungen nicht annähernd kompensieren. Deshalb und zum Ausbau unserer digitalen Infrastruktur darf die Aufnahme der Volkshochschulen in die digitale Landesstrategie, von der Frau Ministerin Dr. Eisenmann spricht, keine Zukunftsmusik bleiben.
 

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Tipp:

Lieber digital als infiziert!


Das Digitalisierungsteam des Volkshochschulverbandes unterstützt die Volkshochschulen gerne beim Transfer von analogen vhs-Veranstaltungen in die digitale Welt.

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