Lehrerprogramm

Erfahrungsberichte

Einige Erfahrungsberichte von Kolleginnen und Kollegen sollen die Tätigkeitsbereiche während des Lehrerprogramms sowie den Werdegang nach Beenden des Lehrerprogramms illustrieren:


Dorothea Günder, Fachbereichsleiterin Gesundheit an der Volkshochschule Oberes Nagoldtal, seit 2010 wieder als Oberstudienrätin an der Hauswirtschaftlichen Schule Albstadt tätig über ihre Erfahrungen im Lehrerprogramm:

Ich bin sehr gerne Lehrerin und machte dennoch den Schritt für eine begrenzte Zeit aus der Schule zu gehen, um eine andere Arbeitswelt, außerhalb der Schule, kennenzulernen. (…) Eine Erfahrung, die ich ganz oben ansiedeln möchte, ist, dass man große Freiheiten bei seinem Tun hat, aber natürlich auch Verantwortung dafür trägt. Die stringente und hierarchische Struktur, die in Schulen besteht, habe ich in dieser Form bei der vhs nicht erlebt. Man muss selbstständig Entscheidungen treffen, d. h. keine ständige Rücksprachen oder "um-Genehmigung-bitten" mit/bei der vhs-Leitung sind i. d. R. nicht nötig. Diese Eigenständigkeit und Selbstverantwortung wird sogar erwartet. Natürlich setzt dies eine vertrauensvolle Zusammenarbeit voraus. Für neue Ideen und Vorgehensweisen ist viel Platz und man kann seiner Kreativität freien Lauf lassen. Es gibt viele Kooperationen mit Institutionen, städtischen Einrichtungen, mit Bürgermeistern und Gemeinderäten, die gepflegt und ausgebaut werden müssen. Auch der Umgang mit zahlenden Kunden war eine neue Erfahrung, d. h. die vhs ist ein "echter" Dienstleistungsbetrieb, der sich an den Bedürfnissen der Kunden orientieren muss, um konkurrenzfähig zu bleiben. Gemessen wird man u. a. an stattgefundenen Unterrichtseinheiten und Teilnehmerzahlen, also an ganz konkret belegbaren Fakten.


Alexander Matt, ehemaliger Leiter der vhs Weingarten, heute Leiter des regionalen Bildungsbüro beim Landratsamt Ravensburg beschreibt seine Motivation an eine Volkshochschule zu gehen:

Ich war 2005 seit 8 Jahren im Schuldienst und kam gut mit Schülern, Kollegen und Eltern klar. Dennoch wollte ich mich neuen beruflichen Herausforderungen stellen, meinen Erfahrungshorizont erweitern und auch ausprobieren, wie mir Führungsaufgaben liegen. (…)
So bin ich durch Zufall auf die Ausschreibung der Stadt Weingarten gestoßen, die die Volkshochschulleitung über das Lehrerprogramm besetzen wollte. Ich erkundigte mich über die Rahmenbedingungen, empfand diese als akzeptabel, bewarb mich und wurde ausgewählt. Das eröffnete mir die Möglichkeit die Verantwortung für eine Einrichtung zu übernehmen, Personal- und Budgetverantwortung zu tragen, mich in Verwaltungsabläufe und in Büroorganisation einzuarbeiten und Repräsentationsaufgaben zu übernehmen. Ferner reizte mich der Bereich Erwachsenenbildung. Meine Idee war, mit diesen zusätzlichen Qualifikationen wieder in die Schule zurückzukehren und mich auf eine Konrektoren- oder Rektorenstelle zu bewerben.
Im Falle des Scheiterns oder der Überforderung hätte ich ohne größeren Gesichtsverlust, ohne finanzielle Einbußen und ohne Risiko aber um viele Erfahrungen reicher wieder in die Schule als "einfacher Lehrer" zurückkehren können. (…) Abschließend kann ich sagen, dass ich durch den Blick über den schulischen Tellerrand nur profitiert habe. Für mich ergab sich so eine Vielzahl neuer Kontakte und weiterführender Möglichkeiten. Ich kann nur jeden Lehrer ermuntern auf die vermeintlichen Vorteile einer großzügig geregelten Urlaubsplanung zu Gunsten vielfältiger neuer Erfahrungen temporär oder dauerhaft zu verzichten.


Beate Wieland M. A., OStR’in, die als Referentin für Schulkunst und Amateurtheater beim Kultusministerium tätig ist, sagt über ihren Gewinn durch Arbeit als Programmverantwortliche für die Bereiche Gestaltung, Gesundheit, Frauen und junge vhs bei der Volkshochschule Esslingen folgendes:

Das Lehrerprogramm ist eine großartige Weiterbildungsmöglichkeit für Lehrkräfte. Einen großen fachlichen und persönlichen Gewinn hatte ich durch die Kontakte mit den Dozentinnen und Dozenten sowie vielen Kursteilnehmenden. Auch die Kontakte mit Partnern der Stadt und anderen VHS'en war sehr fruchtbar. Vor allem hat mich begeistert, dass ich kreativ tätig sein konnte und die Möglichkeit hatte, Ideen umzusetzen und auch neue Kooperationen ins Leben zu rufen. Meine Erwartungen wurden positiv erfüllt, und ich halte die vhs-Arbeit auch heute für sehr notwendig und ein sehr interessantes und nie langweiliges Tätigkeitsfeld. Enttäuschungen, die hier und da natürlich auch vorkamen, haben mir eher mehr Menschenkenntnis und Gelassenheit beschert und wirkten dadurch auch wieder positiv. Ich konnte viele neue Qualifikationen erwerben bzw. vorhandene stärken, z. B. betriebswirtschaftliche Kenntnisse, Planung und Organisation, Moderation, Projekt- und Qualitätsmanagement, Führung, soft skills. Die neuen Felder, die ich mir durchaus aktiv aneignen musste, haben mich auch persönlich weitergebracht.


Christiane Bonnet-Baumgärtner arbeitet als Fachbereichsleiterin Sprachen an der Volkshochschule Herrenberg und war bereits zuvor an der Volkshochschule Rottenburg tätig:

(…) In Lehrerkreisen stieß ich mit meiner Entscheidung, den Schuldienst für einige Jahre zu verlassen, auf große Skepsis. Es wurde immer wieder die Vermutung geäußert, dass dieser Schritt ganz sicherlich Nachteile für mich haben würde, sei es in finanzieller Hinsicht, sei es, dass ich Einbußen in meiner Beamtenlaufbahn hinnehmen müsste, sei es, dass ich weniger Ferien hätte.
Nichts davon traf zu.
Das Lehrerprogramm war für mich beruflich und persönlich nur ein Zugewinn. (…)

Als ich nach acht Jahren das 16. Semesterprogramm fertiggestellt hatte, war es ein gutes Gefühl wieder an die Schule zurückkehren zu können. Ich fühlte mich motiviert, Neues auszuprobieren und meine inzwischen erworbenen Kenntnisse dort anzuwenden.
(…) Fachlich- methodisch und didaktisch hatte ich keine Schwierigkeiten, denn ich war ja „am Ball geblieben“ und hatte hier viel Neues in den hervorragenden Fortbildungen des Volkshochschulverbandes dazugelernt. Diese Kenntnisse konnte ich dann auch nutzen, da ich an der Schule sehr schnell ein Gebiet fand, mit dem ich mich an der Lehrerfortbildung beteiligen konnte. Der Umgang mit Erwachsenen war mir sehr vertraut und ich hatte vor allem auch gelernt zu moderieren und zu präsentieren.


Die Rückkehr an die Schule kann aber auch durchaus mit Schwierigkeiten verbunden sein. Als Außenseiter betrachtet, muss der Kollege/die Kollegin den Platz innerhalb des Kollegiums wieder neu finden. Wir hoffen, dass sich dies inzwischen durch die neuen Aufgaben der Schulen, wie z. B. Selbstmanagement, Evaluation und Eigenverantwortlichkeit geändert hat bzw. ändern wird, so dass die neu erworbenen Kompetenzen dieser Kolleginnen und Kollegen in den Schulen gebraucht und geschätzt werden können. Die Möglichkeit, die Kompetenzerweiterung der Lehrkräfte durch die Tätigkeit in der Erwachsenenbildung bei der Entwicklung der Schulen gezielt zu nutzen, spricht für die Fortführung des Lehrerprogramms!

Martina Haas, OSt’in (haas@vhs-bw.de), derzeit Fachreferentin für Sprachen im Lehrerprogramm beim Volkshochschulverband Baden-Württemberg e. V., informiert Sie gerne über das Programm.

 
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