Gebrauchsanweisung für Europa: Mit EU-Förderung ins Ausland
Wie Volkshochschulen und Teilnehmende von Erasmus+ profitieren können
26.01.2026
Erasmus+ ist das wichtigste und bekannteste EU-Programm zur Förderung der Bildung. Europäische Studierende, die beim Auslandsstudium gleichzeitig ihren Horizont erweitern, kennen fast alle in Europa. Weniger bekannt ist, dass Erasmus+ Millionen Europäer*innen aller Altersstufen die Möglichkeit bietet, im Ausland zu lernen, Praktika zu machen, in Bildungseinrichtungen zu hospitieren oder freiwillig zu arbeiten.
Auch vhs-Mitarbeitende und Lernende aus der Erwachsenenbildung können von Erasmus+ profitieren. Gefördert werden können Kursleitende ebenso wie vhs-Leitungen, pädagogische Mitarbeitende, Bildungsberater*innen, Verwaltungskräfte und sonstiges Personal – von der Hausmeisterin über die IT-Fachkraft bis zu Azubinen, Praktikanten, FSJlern und sogar Ehrenamtlichen.
EU-geförderte Auslandsaufenthalte für Erwachsene
Förderfähige Lernende sind alle, die einen vhs-Kurs besuchen. Vor allem Personengruppen mit besonderen Bedarfen und Benachteiligungen kommen für eine EU-Förderung infrage, zum Beispiel Menschen mit Behinderung, finanziellen oder sozialen Nachteilen sowie Personen mit Migrationshintergrund. Dazu zählen auch sehr alte EU-Bürger*innen, die bisher nicht die Möglichkeit hatten, ein Erasmus+-Stipendium zu nutzen – Erasmus+-Teilnehmende mit über 90 Jahren sind durchaus keine Seltenheit.
Die Erasmus+-Programmziele sind vielfältig. Die EU möchte mit dem Bildungsprogramm Kompetenzen, Qualifikationen und Beschäftigungsfähigkeit der Europäer*innen fördern und durch den europäischen Austausch gleichzeitig Innovation und Zusammenarbeit in der Bildung unterstützen. Nicht zuletzt ist Erasmus+ das wichtigste „Werbeprogramm“ der EU, um Toleranz, interkulturelles Verständnis und demokratische Werte in den Fokus zu rücken – und damit die Grundpfeiler Europas hautnah erlebbar zu machen.
Wie planen Volkshochschulen am besten eine Mobilität ins europäische Ausland – für ihre Mitarbeitenden und ihre Teilnehmenden? Wir geben Inspiration und einen Überblick über die finanziellen Fördermöglichkeiten für Mobilitäten. Das sind die drei gängigsten Wege, eine EU-Förderung zu erhalten:
1. Erasmus+-geförderte Kursbesuche von vhs-Mitarbeitenden
„Holzskulptur mit der Kettensäge“ – dies war bisher möglicherweise das ungewöhnlichste Thema eines Erasmus+-geförderten Kursaufenthalts einer Baden-Württembergerin. Eine vhs-Dozentin aus dem Bereich Kultur – Gestalten hat den Kurs in Südtirol besucht und Fachkenntnisse erworben, die sie sich in Deutschland nicht hätte aneignen können.
Außerdem können Erwachsenenbildner*innen didaktisch-methodische Qualifizierungen, Sprachkurse, interkulturelle Trainings, Kurse zur persönlichen Entwicklung und viele andere Fortbildungen besuchen. Eine Auswahl geeigneter Kurse findet sich auf der Plattform European School Education Platform und auf EPALE , der elektronischen Plattform für Erwachsenenbildung in Europa.
Auch jede andere Art von Weiterbildung, die den beruflichen Lernzielen und der täglichen vhs-Arbeit nützt, kann besucht werden. Eine besondere Zertifizierung oder Registrierung ist nicht notwendig. Kursbesuche umfassen in der Regel ein bis zwei Wochen. Zwar sind seit 2025 im Kursbereich nur zehn Aufenthaltstage förderfähig, es ist aber problemlos möglich, länger im Ausland (und auch im Kurs) zu bleiben und ggf. einen kleinen Eigenanteil beizusteuern, sollte die Erasmus+-Förderung die Kosten für die längere Aufenthaltszeit nicht decken.
2. Erasmus+-Job-Shadowings
Bei einem Job-Shadowing schauen Beschäftigte aus dem Bildungsbereich ihren europäischen Kolleg*innen bei der Arbeit über die Schulter – und lernen dabei pädagogische Grundhaltungen, innovative Bildungsangebote, digitale Arbeitstechniken, effektive Organisationsprozesse und vieles mehr kennen. Auf Deutsch würde man von einer Hospitation sprechen. Einen Platz für ein Job-Shadowing suchen Interessierte selbst. Job-Shadowings lassen sich in Einrichtungen der Erwachsenenbildung oder sonstigen Bildungseinrichtungen absolvieren, aber auch in Museen, Bibliotheken, Sozialeinrichtungen, Flüchtlingscamps oder im Verwaltungs- und Policy-Bereich.
Wichtig ist, dass es um Kenntnisse und Erfahrungen geht, die für die Bildungsarbeit wichtig sind. In einer Lernvereinbarung, die in Abstimmung mit der aufnehmenden Einrichtung erstellt wird, werden persönliche Lernziele und Aktivitäten vor Ort festgehalten. Bei der Suche nach aufnehmenden Einrichtungen unterstützt die jeweilige Volkshochschule oder der Volkshochschulverband Baden-Württemberg, der auf ein großes Netzwerk internationaler Bildungspartner zurückgreifen kann.
3. Erasmus+-Gruppenangebote für Bildungspersonal und Lernende
Um strategische Ziele der vhs-Familie mit europäischem Input anzureichern, aber auch um eine unkomplizierte Nutzung der Erasmus+-Förderung zu ermöglichen, gestalten der Volkshochschulverband und baden-württembergische Volkshochschulen Gruppenaufenthalte zu Kernthemen. Dazu gehört beispielsweise ein jährlicher Aufenthalt in Bregenz, bei dem vhs-Mitarbeitende in österreichischen Einrichtungen Ideen zur Nachhaltigkeit sammeln. Mithilfe der „Sustainability Matrix for Adult Education Institutions“, die in einem Erasmus+-Projekt entwickelt wurde, planen die Teilnehmenden noch vor Ort Nachhaltigkeitsstrategien für die eigene vhs.
Weitere vom Verband regelmäßig organisierte Gruppenangebote betreffen die Bildungsberatung im Kontext von Transformationsprozessen, das Thema Männerbildung und die Arbeitsmarktintegration von Zugewanderten. Speziell auf junge Erwachsene zugeschnitten ist das Angebot „Your Voice Matters“ im Elsass, das künftig mit Unterstützung der deutsch-französischen UP Pamina vhs junge Europäer*innen zusammenbringt und den Besuch einer EU-Parlamentssitzung in Straßburg ermöglicht.
Informationen zu Gruppenangeboten liefert der Verband über die Info-Mail „EU-Projekte“ und auf der Verbandswebsite unter: www.vhs-bw.de/erasmus
Erasmus+ öffnet Türen zu neuen Lernwelten
Um Lernenden aus der Erwachsenenbildung einen Auslandsaufenthalt zu ermöglichen, braucht es etwas Fantasie. Denn im Gegensatz zum Universitätsbereich ist die Erwachsenenbildung in Europa äußerst vielfältig strukturiert. Angebote finden in der Regel in der Landessprache statt, Kurse oft nur am Abend. Einfach so in eine Bildungseinrichtung ins Ausland zu gehen und sich in ein Bildungsangebot zu setzen, funktioniert daher nur in den seltensten Fällen. Lernende erhalten außerdem weniger Erasmus+-Fördermittel als die Beschäftigten, auch finanziell ist daher manchmal Einfallsreichtum gefragt. Es lohnt sich aber, genauer hinzuschauen – das zeigen die Erfahrungen der vergangenen Jahre.
Mit Erfolg unternahmen Lernende von Volkshochschulen ganz unterschiedliche Mobilitäten: Deutsch-Lernende besuchten Deutsch-Kurse in Wien und tauschten sich mit den Zugewanderten dort aus, junge Migrant*innen nahmen an Empowerment-Workshops in Norwegen und Schweden teil. Und Englisch-Lernende reisten mit dem Wohnmobil nach Irland, um an einer Sprachschule ihre Englischkenntnisse zu verbessern und die irische Kultur kennenzulernen.
Künftig schafft der Volkshochschulverband gemeinsam mit mehreren Volkshochschulen Erasmus+-Mobilitätsangebote für Absolvent*innen der Haupt- und Realschulabschluss-Klassen im zweiten Bildungsweg. Für diese Gruppe bietet eine Vorbereitung auf die Kommunikationsprüfungen in den Fremdsprachen einen echten Mehrwert.
Gute Nachrichten: Erasmus+-Akkreditierung des Volkshochschulverbandes ermöglicht problemlose Antragsstellung
Wer an eine EU-Förderung denkt, rechnet mit hohen bürokratischen Hürden – die es bei Erasmus+ für die Teilnehmenden jedoch nicht mehr gibt. Das Erasmus+-Programm und die Nationalen Agenturen arbeiten mit akkreditierten Einrichtungen zusammen. Diese beantragen als Institution Mittel für ihre Mitarbeitenden und Lernenden.
Beschäftigte und Teilnehmende beantragen ihre individuelle Erasmus+-Förderung vor Ort und müssen in einer relativ kurzen Lernvereinbarung lediglich darstellen, dass sich ihre geplante Auslands-Fortbildung oder Hospitation im Rahmen der europäischen Ziele des Bildungsträgers bewegt. Die Berechnung und Auszahlung der Fördersumme erfolgt über Pauschalen, nur sehr wenige Belege und Nachweise sind gefragt. Mit seiner Erasmus+-Akkreditierung kann der Volkshochschulverband Baden-Württemberg den Beschäftigten und Lernenden der Volkshochschulen im Land rund 600 Mobilitäten im Jahr ermöglichen.
Blick in die Glaskugel
Aktuell decken die Erasmus+-Budgets für Mobilitäten in der Erwachsenenbildung den Bedarf in Deutschland – noch. Wenn sich allerdings weiter herumspricht, dass auch Erwachsene Erasmus+ in Anspruch nehmen können, könnte die Nachfrage sprunghaft steigen. Immerhin hat die EU in ihren ersten Haushaltsplanungen für die Förderperiode ab 2028 eine deutliche Erhöhung des ERASMUS+-Fördervolumens vorgesehen. Ob das von den EU-Mitgliedsstaaten so mitgetragen wird, ist noch offen.
Das Geld wäre auf jeden Fall gut angelegt: Wirklich alle der mehr als 3.000 Erwachsenen, die in den vergangenen zehn Jahren eine Erasmus+-Förderung über den Verband in Anspruch genommen haben, sind begeistert von ihrem Auslandsaufenthalt zurückgekehrt. Sie konnten ihre Kompetenzen erweitern und waren hochmotiviert, das neu erworbene Gefühl einer europäischen Identität in ihre Einrichtungen und Kurse weiterzutragen.
Autorin: Andrea Bernert-Bürkle
Mehr Infos:
vhs info 1/2026 zum Download
EU-Projektberatung beim Volkshochschulverband BW
Fortbildungsübersicht
European School Education Platform
EPALE – elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
Mit Erasmus+ können Erwachsene jeden Alters ins europäische Ausland. (Bild: istockphoto.com/solstock)

