Gelebte Erinnerungskultur und Austausch zu Integrationserfahrungen
Ein Erasmus+-Erfahrungsbericht von Dr. Anja Rudolf, Leiterin der vhs Rottweil
12.03.2026
Was haben gelbe Krokusse mit Erasmus+ zu tun? Eigentlich nicht viel, doch bei uns veranschaulichen sie, wie Europa unsere Volkshochschularbeit nachhaltig beeinflusst hat. Aber der Reihe nach. Unser Rottweiler Erasmus+-Abenteuer begann im Sommer 2023, als ich zufällig neben der Ansprechpartnerin für EU-Projekte vom Volkshochschulverband Baden-Württemberg saß. Und erfuhr, dass Erasmus+ auch für die Erwachsenenbildung offen ist. Wie sich herausstellte, passten unsere Ideen hervorragend in den Rahmen. Ich war fasziniert von den Möglichkeiten.
Unser erster europäischer Austausch führte 30 Teilnehmende in die Partnerstadt Imst in Tirol, die jüngste 17, der älteste 83 Jahre alt. Mit Imster Stadtvertreter*innen sprachen wir über Themen, die uns in unseren Heimatstädten gleichermaßen bewegen: Integration, Tourismus, Fastnacht. Es folgten ein unvergesslicher Aufenthalt von vhs-Mitarbeitenden und Teilnehmenden zur Erinnerungskultur in Warschau und die Reise eines C1-Deutschkurses nach Wien – auf Initiative der Kursteilnehmenden. Sie wollten ihre Deutschkenntnisse im Austausch mit österreichischen Lernenden anwenden und vor Ort erfahren, wie Integration im Nachbarland verläuft.
Impulse aus ganz Europa
Die Erasmus+-Projekte haben den Fokus „Demokratiebildung, Teilhabe und Vielfalt“ an der vhs deutlich gestärkt. Warum beispielsweise wählen zunehmend Menschen rechts? Diese Frage bewegte mich und meine Mitreisenden, als wir nach Amsterdam fuhren, wo wir uns auch mit den Bildungsidealen Karls des Großen, mit Raubkunst und Kolonialismus beschäftigten. Viele Impulse haben wir aus Europa mitgebracht. So wurde ein Konversationskurs „D’ English at Rottweil“ ins Leben gerufen, bei dem jeweils zunächst kurz auf Deutsch, dann auf Englisch über ein politisches Thema gesprochen wird.
Und auch die Krokus-Zwiebeln, die Teilnehmende der vhs Rottweil aus verschiedenen Ursprungsländern, erzogen in unterschiedlichen Glaubensrichtungen, im November 2024 in sechs Blumenkästen im kleinen vhs-Gemeinschaftsgärtchen pflanzten, gehen auf Erasmus+ zurück. Das irische „The Crocus Project“ lernten Kursleiterin Isabel Pierre und Teilnehmende ihres Senioren-Englischkurses in Dublin kennen. Der Krokus blüht gegen Ende Januar, rechtzeitig zum Holocaust-Gedenktag am 27. Januar, und setzt ein Zeichen für die gemeinsam gelebten Werte der Religionsfreiheit, der Demokratie, der Menschenrechte und der Hoffnung auf Frieden und Freundschaft.
Autorin: Anja Rudolf
Mehr Infos:
vhs info 1/2026 zum Download
EU-Projektberatung beim Volkshochschulverband BW
Fortbildungsübersicht
Gebrauchsanweisung für Europa
European School Education Platform
EPALE – elektronische Plattform für Erwachsenenbildung in Europa
Das Krokus-Projekt der vhs Rottweil setzt ein Zeichen für die Hoffnung auf Frieden und Freundschaft. (Bild: vhs Rottweil)

