PRESSEMITTEILUNG
Stuttgart, 13.02.2026
Kahlschlag bei Integrationskursen stoppen! Wer Integrationskurse streicht, will keine Integration
Bundesinnenministerium schränkt Zugang zu Integrationskursen drastisch ein
Der Volkshochschulverband Baden-Württemberg kritisiert die vom Bundesinnenministerium und dem Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) angekündigten Einschränkungen beim Zugang zu Integrationskursen. Wie das BAMF vor wenigen Tagen mitteilte, wird die Teilnahme seit Dezember ausschließlich auf Personen beschränkt, die vom Jobcenter oder anderen Behörden dazu verpflichtet werden. Ausgeschlossen werden hingegen Asylbewerber*innen in der Antragsphase, EU-Bürger*innen und Geflüchtete aus der Ukraine. Bundesweit sind schätzungsweise rund 130.000 Menschen betroffen, in Baden-Württemberg sind es ca. 25.000.
Ohne Sprachförderung keine Integration
Der Vorsitzende des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg, Fritz Kuhn, erklärt:
„Die Teilnahme am Integrationskurs ist mit der wichtigste Faktor für gelingende Integration. Die Sprache ist die entscheidende Voraussetzung dafür, sich zurechtzufinden, sich als Teil unserer demokratischen Gesellschaft zu verstehen und sich als Arbeits- oder Fachkraft in den Arbeitsmarkt integrieren zu können. Kurzfristige Einsparungen an dieser Stelle führen zu hohen Folgekosten an anderen Stellen, vor allem bei den Sozialleistungen in den Kommunen. Eine solche Politik, die Integration einschränkt und Fachkräftepotenziale blockiert, ist weder sozial noch wirtschaftlich verantwortungsvoll. Wer Integrationskurse streicht, will keine Integration.“
Kahlschlag mit fatalen Folgen
Nachdem der Bund im vergangenen Jahr die Berufssprachkurse bereits um 60 bis 80 Prozent gekürzt hat, sehen wir hier einen zweiten tiefen Einschnitt in das wichtigste integrationspolitische Instrument für gelingende Integration, gesellschaftliche Teilhabe und den Zugang zum Arbeitsmarkt. Es droht ein Kahlschlag mit fatalen sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Folgen. Der Verband fordert daher, dass dieser Kahlschlag bei den Integrationskursen gestoppt wird. Gerade in der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Lage braucht es ein stabiles und leistungsfähiges Programm an Integrationskursen, das wir in Deutschland mit dem Gesamtprogramm Sprache des Bundes seit 20 Jahren etabliert haben. Wissenschaftliche Untersuchungen – unter anderem der OECD und des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung – zeigen, dass die Integrationskurse auch im internationalen Vergleich eine sehr hohe integrative Wirkung haben.
Massive Auswirkungen auf Volkshochschulen und Kommunen
Problematisch wirkt sich aus Sicht des Verbandes auch aus, dass freiwillig Teilnehmende bislang einen erheblichen Anteil der Kursteilnehmenden ausmachen. Nach Einschätzung des Deutschen Volkshochschul-Verbandes entfallen rund 55 Prozent der Teilnehmenden an Integrationskursen auf freiwillige Zugänge. Ohne diese Teilnehmenden können vielerorts die vom BAMF vorgegebenen Mindestteilnehmerzahlen nicht mehr erreicht werden, sodass geplante Kurse ganz ausfallen. In der Folge verlieren auch verpflichtete Teilnehmende ihre Kursplätze.
Der Direktor des Volkshochschulverbands Baden-Württemberg, Dr. Tobias Diemer, betont:
„Die Entscheidung trifft die Strukturen der sprachlichen Integration im Kern. Wenn nahezu mehr als die Hälfte der bislang erreichten Teilnehmenden künftig keinen Zugang mehr erhält, führt dies zu Kursausfällen, noch längeren Wartezeiten und zum Verlust qualifizierter Lehrkräfte. Als Landesverband sehen wir die Gefahr, dass ein über viele Jahre aufgebautes, verlässliches System der Sprachförderung zerstört wird.“
Der Volkshochschulverband Baden-Württemberg warnt besonders davor, dass sich diese Entwicklung unmittelbar auf die Kommunen auswirkt. Fällt ein erheblicher Teil der Kursangebote weg, verlängert sich für viele Menschen der Weg in Arbeit und Ausbildung. Damit steigen langfristig die Ausgaben für soziale Leistungen, gleichzeitig gehen dringend benötigte Arbeits- und Fachkräfte dem Arbeitsmarkt verloren.
Weitere Informationen: https://www.vhs-bw.de/integrationskurse-stopp/
Kontakt: Athanasia Tsantou-Kiesow, Pressestelle, Volkshochschulverband Baden-Württemberg, Raiffeisenstraße 14, 70771 Leinfelden-Echterdingen, Telefon: 0711-759 0068, E-Mail: tsantou@vhs-bw.de
Zum Volkshochschulverband Baden-Württemberg gehören 159 Volkshochschulen mit knapp 630 Außenstellen. Die Einrichtungen vor Ort bieten ein flächendeckendes Netz an vielfältigen Angeboten zur Allgemeinbildung, einschließlich der Bildung für nachhaltige Entwicklung, zur Gesundheitsbildung, in den Sprachen, zum Thema Integration und zur beruflichen Qualifizierung sowie in der Alphabetisierung und Grundbildung. Informationen über die Arbeitsfelder der Volkshochschulen finden Sie auf der Website des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg: www.vhs-bw.de.