Integration als Bildungsaufgabe

So stellt sich die Integrationsfrage ja keineswegs nur hinsichtlich der Menschen, die regulär nach Deutschland zuwandern, sondern gerade auch hinsichtlich des großen Anteils der Flüchtlinge, die nicht alsbald wieder in ihre Heimaten zurückkehren (können). Auch sie müssen integriert werden.
Schon die sprachliche Integration einer so großen Zahl von Menschen erweist sich dabei gerade als Herkulesaufgabe. Ein noch anspruchsvolleres Ziel ist die kulturelle Integration. Schon gar, wenn es um die Integration in eine pluralistische Gesellschaft wie die unsere geht. Das sieht man spätestens daran, dass es uns selbst sehr schwer fällt, klar zu sagen, was Integration bedeuten soll. Geht es nur um die Einhaltung der geltenden Rechtsnormen, von den Feiertagsgesetzen bis zum Strafrecht? Oder bedarf es der zusätzlichen Anerkennung bestimmter Werte, sog. Grund- oder Leitwerte? Und wenn ja, welche Werte im Einzelnen sollen anerkannt werden?

Soll Integration überhaupt gelingen können, müssen wir sagen, wann sie erreicht ist. Die erwähnten Unklarheiten dürfen wir den bei uns Ankommenden also nicht zumuten. Wir als aufnehmende Gesellschaft schulden im Interesse aller Beteiligten Klarheit in den Anforderungen an Integration, auch und gerade in unserem eigenen Interesse.

Das zentrale Strukturprinzip einer pluralistischen Gesellschaft und damit unserer Gesellschaft ist die Relativität religiöser und politischer Weltanschauungen, die Relativität von Überzeugungen bis hin zur Relativität von Lebensentwürfen. Eine pluralistische Gesellschaft kennt keine absoluten, unbedingten Wahrheiten. Deshalb herrschen in einer pluralistisch verfassten Gesellschaft nicht Homogenität und Einheit, sondern Verschiedenheit und Differenz.

Integration in eine solche Gesellschaft erfordert deshalb zum einen die Fähigkeit, solche Differenzen erkennen, thematisieren und vor allem: aushalten zu können. Zum anderen erfordert sie die Fähigkeit, solche Differenzen übergreifende Strukturen und Kooperationsmöglichkeiten wahrnehmen und nutzen zu können.

Die Umstellung des Gemeinwesens von Einheit auf Differenz sowie das Aushalten und kooperative Überwinden von Differenz ist indessen ein Programm, das nicht weniger als die gesellschaftliche Entwicklung der sog. westlichen Gesellschaften seit Ende des 18. Jahrhunderts zum Gegenstand hat. Zur Integration gilt es, diese Entwicklung denkend nachzuvollziehen. Deshalb ist Integration für die Menschen, die zu uns kommen, eine Bildungsaufgabe, und zwar eine ziemlich anspruchsvolle.

Daneben bedarf es aber auch auf unserer Seite der Bildung, nämlich vor allem der interkulturellen Bildung. Wir alle müssen es uns ermöglichen, die Kompetenzen und den Reichtum fremder Kulturen kennen und schätzen zu lernen. Und wir müssen dazu beitragen, dass sich Toleranz und Anerkennung von Andersartigkeit entwickeln können.

Das Angebot der Volkshochschulen richtet sich an beide Seiten.

 
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