Newsletter des Volkshochschulverbandes Baden-Württemberg

Dezember 2015






Integrations- und Sprachkurse für Flüchtlinge

Drei Fragen dazu an Dr. Hermann Huba, Direktor des Volkshochschulver-
bandes Baden-Württemberg:

1.  Angesichts der vielen hierher flüchtenden Menschen steigt die Nach-
frage nach Integrations- und Sprachkursen. Die Volkshochschulen
in Baden-Württemberg sind bislang größter Anbieter von Integration-
skursen – können sie das auch zukünftig leisten?

Die zahlenmäßige Herausforderung ist zwar enorm, aber keine gänzlich
neue, weil sich die Volkshochschulen nicht erst seit gestern um Integra-
tion kümmern. So führen sie seit zehn Jahren Integrationskurse durch
und zwar rund die Hälfte aller Kurse in Baden-Württemberg. Im Jahr 2014
haben rund 10.000 Teilnehmende einen Integrationskurs an einer der fast
100 als Integrationskursträger akkreditierten Volkshochschulen im Land
begonnen. Für das kommende Jahr wird wegen der Öffnung der Integra-
tionskurse für Asylbewerber und Geduldete mit jeweils guter Bleibeper-
spektive mindestens mit einer Verdopplung der Teilnehmerzahl gerechnet.

Die Volkshochschulen können auch diese Aufgabe bewältigen - doch nur
mit der Unterstützung durch Bund, Länder und Kommunen.
Der quantitativen Herausforderung begegnen die Volkshochschulen auch
nicht auf Kosten der Qualität. Wir legen nach wie vor großen Wert auf die
fachliche und didaktische Qualifikation der Kursleitenden, denn gerade
der Erstkontakt mit einer Sprache verlangt eine professionelle Heran-
gehensweise.
2. Was muss jetzt getan werden, damit es zu keinen Engpässen kommt?
Erstens muss das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) die
Trägerpauschale für die Integrationskurse auf 4,40 Euro pro Unterrichts-
stunde und Teilnehmenden erhöhen. Denn die Volkshochschulen müs-
sen die qualifizierten Kursleitenden besser entlohnen, sonst wandern
sie in den deutlich höher vergüteten Schuldienst ab. Und ohne Kurslei-
tende gibt es keine Kurse.
Zweitens bedarf es einer stärkeren Unterstützung der Volkshochschulen

bei der Suche nach geeigneten Räumen für die Integrations- und
Sprachkurse durch das Land und die Kommunen.
Drittens sind auch personelle Aufstockungen bei den Volkshochschulen
unerlässlich. Die Organisation und Durchführung von doppelt so vielen
Integrations- und Sprachkursen ist ohne mehr hauptberufliches pädago-
gisches und Verwaltungspersonal nicht zu leisten. Schließlich müssen
die Einrichtungen nicht zuletzt auch ihr Programm außerhalb dieser Kur-
se für die Bevölkerung aufrecht erhalten.
3. Was bietet ein Integrationskurs für Flüchtlinge - und was können die
Volkshochschulen darüber hinaus zur Integration beitragen?

Die Integrationskurse sind unabdingbare Voraussetzung für die gesell-
schaftliche und die berufliche Integration. Die Teilnehmerinnen und Teil-
nehmer erwerben eine Sprachkompetenz in Deutsch (Niveau B1 des
Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens), die es ihnen ermö-
glicht, Alltagssituationen schriftlich und mündlich selbstständig zu bewäl-
tigen. Daneben gewinnen sie im Rahmen des Orientierungskurses Ein-
blicke in die deutsche Rechtsordnung, Kultur und Geschichte. Das bringt

sie unseren grundlegenden gesellschaftlichen und politischen Spielre-
geln näher. Deshalb dürfen Flüchtlinge nicht beliebig lange auf die Teil-
nahme an einem Integrationskurs warten müssen. Das gefährdet ihre
Integration.
Darüber hinaus bieten Volkshochschulen ein Forum für soziale Kontakte.
Die konkrete Begegnung mit anderen Menschen und das gegenseitige
Kennenlernen kann etwa in einem Kreativ-, Bewegungs-, EDV-Kurs, bei

einem abendlichen Vortrag oder Diskussionsforum stattfinden.
Und nicht zuletzt: Integration ist vor allem eine Bildungsaufgabe, und zwar
nicht nur im Hinblick auf die zu uns Kommenden, sondern auch im Hin-
blick auf die sogenannte Mehrheitsgesellschaft, die bei der Integration
ebenfalls unterstützt werden muss. Hier leisten die Volkshochschulen
mit ihren Informations- und Bildungsangeboten zu interkulturellen The-
men einen wichtigen Beitrag.

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VHS-Willkommensflyer für Migrant/en/innen

Mit einem neuen VHS-Willkommensflyer richtet sich der Volkshochschulver-
band an Migrantinnen und Migranten und fasst darin zusammen, was die
Volkshochschulen in Baden-Württemberg ausmacht und was sie Zugewan-
derten anbieten können. Der Flyertext ist kurz und einfach, um die Sprachbar-
riere so gering wie möglich zu halten. Es gibt diesen Flyer in deutscher und
englischer Version; er ist mit Kontaktdaten der einzelnen Volkshochschulen individualisierbar.






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Neu: Der Volkshochschulverband Baden-Württemberg unterstützt
Volkshochschulen bundesweit mit Webinaren für berufliche Weiterbildung


Live-Webinare können alle Volkshochschulen einfach über das neue VHS-
LernNetz anbieten. Es umfasst die Themenpalette von Xpert Business (XB),
dem Kurs- und Zertifikatssystem des Volkshochschul-verbands Baden-Würt-
temberg. Im LernNetz besuchen Teilnehmende entweder klassische VHS-
Kurse an ihrer Volkshochschule oder sie lernen im Live-Webinar von einem
erfahrenen Online-Dozenten. In überschaubaren Kursbausteinen werden sie
Schritt für Schritt zu anerkannten Fachkraft- und Buchhalter-Abschlüssen geführt.
Jeder Kurs kann mit einer Prüfung abgeschlossen werden. So sichern sich
die Teilnehmenden ihren persönlichen Bildungserfolg. Das LernNetz stellt
sicher, dass sie die Kurse bis zum gewünschten Abschluss belegen können:
Alle beteiligten Volkshochschulen halten im LernNetz die Kurse vor. Fast alle
Kurse des XB-Systems haben die Bildungspartner Volkshochschulverband
und EduCon bereits in der Webinar-Version konzipiert. Damit geht das
LernNetz nun in die Pilotphase. Der reguläre Betrieb soll zum zweiten Seme-
ster 2016 aufgenommen werden.

>> Weitere Informationen


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Alles Gute zum Geburtstag, liebe Renate Krausnick-Horst!

Der Volkshochschulverband gratuliert der ehemaligen Verbandsdirektorin
herzlich zu ihrem anstehenden 85. Geburtstag und hat mit der Jubilarin über
Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft gesprochen…

Als junge Frau haben Sie ja das ereignisreiche Zeitgeschehen nach dem
Zweiten Weltkrieg miterlebt. Was hat Sie persönlich zu Ihrem Beruf, zur
Arbeit mit den Volkshochschulen motiviert?

Ich bin durch meinen Onkel, der Leiter des Volkshochschulheims Inzigkofen
war, 1949 zur Volkshochschularbeit gekommen und war von Anfang an von
der Bedeutung der Volkshochschulen überzeugt. Von 1954 bis 1956 war ich
dann in Bonn beim neu gegründeten Deutschen Volkshochschulverband, der
damals auch nur aus einem Geschäftsführer und mir bestand. Und dann habe
ich 1956 die Leitung des württembergischen VHS-Verbandes übernommen,
der dann 1966 zum Volkshochschulverband Baden-Württemberg wurde, übri-
gens unter manchen Schwierigkeiten, denn es gab bei Badenern wie Württem-

bergern viele Vorurteile. „Sie können froh sein, dass Sie keine Württemberg-
erin sind, die hätten wir nicht akzeptiert“. Also war es mein Ziel, den Verband
zusammenwachsen zu lassen und die Volkshochschulen auszubauen.
– Gleich nach dem Krieg hatten die Volkshochschulen vor allem die Aufgabe,
beim Aufbau der Demokratie mitzuwirken und den großen Bildungshunger
zu stillen – auf allen Wissensgebieten, denn wir waren abgeschnitten
gewesen von der Welt. Viele wollten Schulbildung nachholen, so entstanden
die ersten Abendgymnasien, für den Beruf musste gelernt werden – es gab
eine Fülle von Aufgaben. Die Volkshochschulen wurden zu spannenden Orten

der Begegnung und viele haben zum ersten Mal bei uns sich an Diskussionen
beteiligt. Die Volkshochschulen wurden zu unabhängigen, in der Tradition der
Aufklärung stehenden Bildungseinrichtungen für jedermann.

Sie haben in Ihrer Zeit im Volkshochschulverband Baden-Württemberg viel
Auf- und Ausbauarbeit geleistet. Welche Ereignisse oder Veränderungen
haben den Verband besonders geprägt?

Zu Beginn der sechziger Jahre wuchsen die Teilnehmerzahlen sprunghaft.
Das Interesse am Reisen führte nicht nur zu Lichtbildervorträgen, sondern
vor allem zum Sprachenlernen. Langsam entwickelten sich eigene Lehr-und
Lernmethoden, Außenstellen entstanden, berufliche Kurse wurden immer
wichtiger. Aber die Struktur der Volkshochschulen war zu schwach – die  mei-
sten wurden ehrenamtlich oder nebenberuflich geleitet – ebenso die Förder-
ung durch Land und Kommunen. Also musste verhandelt, ausgebaut werden
– es war ein langer, zäher Weg. Wir führten als Erste einen Lehrgang für künf-
tige hauptberufliche VHS-Leiter durch, und es war eine meiner mühsams-
ten Aufgaben, für diese dann Stellen zu schaffen, sie unterzubringen.
Noch schwieriger, oft bedrückend war es, den verdienstvollen Ehrenamtlichen klar

zu machen, dass sie nun abgelöst wurden. Jeder musste einzeln überzeugt
werden, dazu jeder Bürgermeister oder Landrat. Hilfreich war später das Lehrer-
programm, aber auch hier wollte zunächst kaum jemand mitmachen,
weder die Volkshochschulen, noch die Kommunen. Dabei war es eine große
Chance, Fachkräfte zu gewinnen.
Während das Land immer eine gewisse Zurückhaltung uns gegenüber hatte,
merkten die Kommunen bald, dass sie hier eine wichtige, moderne Bildungs-
einrichtung hatten und unterstützten uns, übrigens ohne Einfluss auf das
Programm zu nehmen, auch wenn das oft befürchtet wurde. Insgesamt dauerte
es lange, bis die Volkshochschulen echte Anerkennung erfuhren. Wie

oft habe ich gehört: “Ach, da geht meine Frau hin“, und das klang nicht besonders
positiv. .. Im Verband haben wir die ersten Zertifikate entwickelt – als Erste nach
Bayern - , die Dozentenfortbildung aufgebaut, Programmvorschläge – später Planungs-
tagungen, Pläne für VHS-Häuser und Vieles mehr. Später habe ich die Ausbaupläne
geschrieben, in Anlehnung an die Gebietsreform und als Vorschläge
für die Träger.


Haben Sie eine Anekdote für uns auf Lager…?
Es war in den ersten Jahren nicht leicht, sich als junge Frau durchzusetzen,
aber später waren es dann oft die Frauen, die nach meinem Vortrag zu mir
kamen, weil sie stolz auf eine von Ihnen waren. Lustig war es einmal in
Crailsheim, wo ich wieder einmal für eine Leiterstelle warb. Erst diskutierte
der Gemeinderat über die Farren-Gebühr, dann über die für die städtischen
Eber, dann kamen die Ziegenböcke – und dann kam ich! Aber es klappte mit
der Stelle.


Was können Sie aus Ihrer Erfahrung als Vorsitzende des Stadtsenioren-
rates Stuttgart den Volkshochschulen für den Bereich „Bildung für
Ältere“ weitergeben? Und was finden Sie darüber hinaus für die Zukunft
wichtig?

Ältere interessieren sich z. B. für Gesundheit, medizinische Vorträge, aber
auch für nahezu alle allgemeinbilden Themen und für aktuelle Fragen. Wir
bemühen uns im StadtSeniorenRat, ihre Interessen zu vertreten, sie und
die Stadtverwaltung zu beraten und für eine gute Versorgung zu sorgen.
Darüber hinaus ist natürlich jetzt gerade die Frage interessant: Was än-
dert sich durch den Zuzug von Migrant/en/innen? Welchen neuen Bedarf
an Weiterbildung gibt es dadurch? Und immer wieder das Thema, wie die
Volkshochschulen es schaffen können, flexibel auf gesellschaftliche Ent-
wicklungen zu reagieren, weiterhin eine Plattform für Begegnungen aller
Bürger, für Austausch und Diskussionen zu sein – um das Zeitgeschehen,
die Gesellschaft und die Politik zu spiegeln, sich aber auch damit auseinan-
derzusetzen. An Aufgaben wird es den Volkshochschulen nie mangeln!


Stellen Sie sich vor, zu Ihrem Geburtstag flattern Ihnen drei Gutscheine für
VHS-Kurse ins Haus: Wofür melden Sie sich an?

Bei den Vorträgen zu Politik und Weltgeschehen wäre sicherlich etwas für
mich dabei. Außerdem würde ich nach einem Angebot im Bereich Medizin
oder Biologie suchen, um zum Beispiel etwas über Immuntherapie oder
die Wirkung von Hormonen zu erfahren. Und mit dem dritten Gutschein würde
ich dann einen Musik-Kurs belegen, Musik macht mir immer große Freude.


Zur Person: Die gebürtige Berlinerin Renate Krausnick-Horst ist erst 25 Jahre
alt, als ihr die Leitung des Volkshochschulverbands Württemberg übertragen
wird. Nach dem Zusammenschluss der drei Landesverbände 1967 über-
nimmt sie die Leitung des Gesamtverbandes der Volkshochschulen in Baden-
Württemberg. Seit ihrem Eintritt in den Ruhestand 1997 bekleidet sie zahl-
reiche Ehrenämter: Sie ist Vorsitzende des Stadtseniorenrats Stuttgart, Vor-
sitzende des Volkshochschulheims Inzigkofen, Mitglied des Verwaltungsrats
des Südwestrundfunks und Mitglied im Finanzausschuss der Volkshochschule
Stuttgart. Sie ist Autorin der Bücher „Garten der Flucht“ und „Ein kurzes Leben“.
Ihre Bewegungsfreude ist der Seniorin anzumerken – sie spielt regelmäßig
Tennis.
                                                                                                                            
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Erwachsenenbildung macht glücklich, gesund und tolerant
BeLL-Studie belegt Nutzen von allgemeiner Weiterbildung

Die Studie „Benefits of Lifelong Learning“ (BeLL) untersuchte den Nutzen der
Teilnahme an allgemeiner Weiterbildung in Europa. Die Ergebnisse zeigen,
dass Weiterbildungs-Teilnehmende zufriedener mit sich selbst sind, ihre Lern-
und Veränderungsbereitschaft erhöht ist und sie positive Veränderungen im
Hinblick auf Familie, Beruf, mentales Wohlbefinden und Gesundheit erleben.
Männer profitieren von Weiterbildung eher im Bereich Selbstkontrolle und Ef-
fizienz, Frauen eher bei Einstellungen und Sozialkapital. Ein Ergebnis, das
vor dem Hintergrund der aktuellen Entwicklungen in Deutschland hervorzu-
heben ist: Die Befragten gaben an, dass sie durch die Teilnahme an Wei-
terbildung toleranter geworden sind und es ihnen leichter fällt, andere Po-
sitionen zu akzeptieren.

Diese positiven Effekte waren weitgehend unabhängig davon, zu welchem
Thema die Teilnehmenden sich weitergebildet hatten. Sie verstärkten sich,
wenn Teilnehmende zwei oder mehr Kurse besucht hatten. Das unterstreicht
die Bedeutung der Volkshochschulen mit ihrem breit gefächerten Angebot:
Alle Bürgerinnen und Bürger können bei der vhs ein ihren Interessen ent-
sprechendes Angebot finden, von dem nicht nur sie selbst profitieren,
sondern die ganze Gesellschaft.

Die BeLL-Studie wurde von 2011 bis 2014 in zehn europäischen Ländern
durchgeführt. Das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung (DIE) war feder-
führend. Befragt wurden Personen, die an allgemeiner Erwachsenen-
bildung teilgenommen hatten, d. h. Kurse freiwillig und aus persönlichem
Interesse wahrgenommen hatten.

>> Weitere Informationen


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Termine


Interview zu Xpert Business und Datev im JobBoten der Stuttgarter
Zeitung und des Schwarzwälder Boten erscheint am 10. Dezember
2015
; dazu von 16:00 bis 18:00 Uhr Experten-Hotline mit Dr. Bernd
Arnold (Volkshochschulverband Baden-Württemberg)
>> Weitere Informationen


Bundesfachkonferenz Gesundheit
am 27./28. Januar 2016 in Stuttgart

Die Bundesfachtagung Gesundheit des Deutschen Volkshochschulver-
bandes wird 2016 vom Volkshochschulverband Baden-Württemberg
organisiert und findet am 27. und 28. Januar 2016 in Stuttgart statt. Im
Mittelpunkt steht die Qualität in der Gesundheitsbildung.
>> Link zum Programm




   
   

      
    





     
    

 



     










     
































     

     










































     
     


     

















     
    








    































     

     

























































     


















     


      





     
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